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Experten-Runde: Himmelslaternen überall

Laterne, Laterne...
Laterne, Laterne... ein Leuchten in der Ferne.

Viel ist darüber geschrieben worden – gerade von Seiten eher kritisch eingestellter UFO-Forscher. Die UFO-Welle, die über Deutschland rast, ist immer noch aktuell. Himmelslaternen überall.

Die Frage: Was sagen eigentlich andere UFO-Vereine dazu? Man hört ja so fast gar keine Statements. Warum denn nicht? Wenn jemand ein UFO sieht (und sei es „nur“ eine fehlgedeutete Himmelslaterne) wird er sich (sofern er denn möchte) einen UFO-Forscher oder -Verein suchen. Etwa übers Internet oder Telefonbuch, eventuell wird er auch über Dritte an eine UFO-Meldestelle verwiesen.

Ist der Zeuge nicht UFO-Gruppen-vorbelastet (falls doch, würde er eine unter mehreren nach deren Einstellung zum UFO-Thema aus auswählen), dann dürfte die Wahl willkürlich (bzw. anhand von Kriterien wie Außendarstellung, Medienpräsenz oder geografische Verfügbarkeit) erfolgen. Logisch, dass CENAP, das am präsentesten in den Medien vertreten ist, die meisten Meldeeingänge zu verzeichnen hat (zumal diese Meldeeingänge auch regelmäßig veröffentlich werden, ist dies auch zu erwarten). Auch die GEP veröffentlicht die Meldungen regelmäßig. Und die anderen Gruppen? Da hört/liest man nicht so viel. Vielleicht habe ich auch nur nicht die richtigen Quellen?

Trotzdem, die Frage, was die UFO-Forscher-Gruppen Deutschlands in der aktuellen UFO-Meldewelle sehen und daraus ziehen, hat mich sehr interessier. Ich habe daher mal an die führenden Forschungsgruppen CENAP, DEGUFO, GEP und MUFON-CES sowie an den UFO-Arbeitskreis der GfA  und Michael Hesemann (Ufologe a.D.) drei kurze Fragen gerichtet.

Werner Walter (CENAP) hat hieraufhin gewohnt knapp geantwortet (tatsächlich äußert er sich im Gegensatz zu den ellenlangen Ausführungen im CENAP Report oder auf seinem Newsticker auf Nachfragen wie die meinen relativ stichpunktartig). Peter Hattiwg hat für die DEGUFO geantwortet, konnte jedoch leider zum Zeitpunkt keine Anzahl an Sichtungseingängen nennen, eventuell wird er die Zahlen dazu nachreichen. Hans-Werner Peiniger (GEP) hat einige recht interessante Ausführungen gemacht und Illobrand von Ludwiger (MUFON-CES) hat aus gesundheitlichen Gründen nur ganz knapp und allgemein geantwortet (was ich Frage 2 zugeordnet habe); ich wünsche natürlich gute Besserung.

Ein wenig aus dem Rahmen fallen in dieser Befragung die GfA und Michael Hesemann. Der Leiter des GfA-UFO-Arbeitskreises Jochen Ickinger wies ausdrücklich darauf hin, dass sein Statement nicht als offizielle Stellungnahme der GfA zu werten sei, da diese aus einem neutralen Standpunkt heraus und aufgrund der Meinungshomogenität der Mitglieder keine „Meinung“ zu diesem Thema haben kann. Und Michael Hesemann hatte sich vor einigen Jahren komplett aus der UFO-Forschung zurück gezogen, so dass von Anfang an fraglich war, ob er sich überhaupt in irgendeiner Weise noch zu der UFO-Welle würde äußern können.

Nun aber zu den Fragen und Antworten:

1. Wie viele UFO-Meldungen gingen bei Ihnen von Januar bis einschließlich August 2008 ein?

CENAP: 1.100

DEGUFO: Keine Angabe.

GEP: Über 400 Beobachtungen.

MUFON-CES: Keine Angabe.

GfA AK UFO: Direkt bei der GfA (Arbeitskreis UFO) gingen dieses Jahr bislang zwei Meldungen mit vergleichbaren Sichtungsmerkmalen ein. Dazu der Hinweis, dass die GfA als solche keine explizite Meldestelle ist und im eigenen Namen keine Sichtungen untersucht, sondern lediglich ggf. die Mitglieder in eigener Verantwortung. Wir nehmen natürlich Meldungen und Anfragen gerne entgegen, verweisen aber ansonsten auf die gängigen Meldestellen in Deutschland.

Hesemann: Da ich mich seit acht Jahren aus der aktiven UFO-Forschung zurückgezogen habe und zudem über eine Geheimnummer verfüge, gingen mir 2008 keine UFO-Meldungen zu.

2. Stecken nach Ihren Erkenntnissen tatsächlich die sog. „Himmelslaternen“ hinter dem größten Teil der Sichtungen?

CENAP: Absolut.

DEGUFO: Die meisten Sichtungen lassen sich auf Himmelslaternen zurückführen.

GEP: Ja, ich kann jedoch leider noch nicht sagen, wie der prozentuale Anteil ist, da ich viele Fälle noch nachbewerten muss. Die Zeit… Aber ich denke mal, dass es schätzungsweise 90 bis 95 % sind.

MUFON-CES: [Ich kann sagen,] dass wir kaum Berichte über Partyballons bekommen, und wenn ja, dann nehmen wir diese überhaupt nicht in die Akten mit „Unidentifizierten“ auf, weil wir sie sofort identifizieren können. In unseren Files befinden sich nur Berichte von Klasse A und B-UFOs. Bei Klasse B-UFOs handelt es sich um große rote oder orange Kugeln, die in der Lage sind, Manöver zu machen und in Formationen zu fliegen. Diese Kugeln, die länger als 5 Minuten zu sehen sind, werden z.Z. auch sehr häufig über England gesehen. Wir wissen nicht, worum es sich bei diesen Kugeln handelt.

GfA AK UFO: Nach meiner Einschätzung in den meisten Fällen mit großer Wahrscheinlichkeit ja, siehe dazu meine Zwischenanalyse der Sichtungswelle aus 2007. Eine umfassende Analyse aller Sichtungen aus 2007/2008 plane ich.

Hesemann: Das mag für Deutschland im Sommer 2008 gelten, ganz gewiss aber nicht für das Phänomen an sich, weder national noch international.

3. Welche Erkenntnisse, denken Sie, bringt die aktuelle UFO-Melde-Welle für die UFO-Forschung mit sich?

CENAP: Das abschließende Urteil mag ich mir aufheben, wenn die Welle rum ist –
wenn es denn mal irgendwann je enden wird…

DEGUFO: Überhaupt keine. Schade um die Zeit. Ich habe auch keine Lust, die Meldungen an Christian [Czech, UFO-Datenbank; d.A.] weiter zu geben. Was soll das Ganze bringen?

GEP: Wir lernen aus den Fällen eine Menge über die Wahrnehmung der Menschen und welche psychologischen, bzw. emotionalen Vorgänge bei den Augenzeugen während einer UFO-Sichtung auftreten können.  Die Fälle haben m. E. gezeigt, dass man keine generellen Aussagen über die Qualität der wiedergegebenen Beobachtungen machen kann. Einige Zeugen beschreiben sachlich mehr oder weniger genau das, was sie am Himmel gesehen haben und als unbeteiligter UFO-Ermittler ist es einfach, das Ereignis nachzuvollziehen. Andere machen mit ihren Aussagen deutlich, wie ungenau doch der menschliche Wahrnehmungsapparat sein kann. Aufgrund von Wahrnehmungstäuschungen beschreiben sie Merkmale, die widersprüchlich, oder mit einem tatsächlichen Geschehen nicht vereinbar sind. Wiederum andere interpretieren mehr Ihr Erlebnis als dass sie darüber berichten. Hier kommt es also auf die Erfahrung des Ermittlers an, sachgerechte Schlüsse aus den Beobachtungsberichten zu ziehen und sie auf das tatsächliche Ereignis zu reduzieren. Die zunehmende Menge an den UFO-Berichten, die sich auf Himmelslaternen zurückführen lassen, steigert die Erfahrungswerte der Ermittler und gibt ihnen die Möglichkeit, künftige Beobachtungen effektiver und zeitnaher zu bearbeiten.

MUFON-CES: Keine Angabe.

GfA AK UFO: Da die Parameter einer MHB-Sichtung, auch anhand von Referenz-Sichtungen bekannt sind, auch aufgrund eigener Experimente, lässt sich die Entstehung einer Sichtungswelle verfolgen und auch, wie ein mutmaßlich bekannter Stimuli, der in weiten Teilen der Bevölkerung unbekannt ist, aufgenommen und wiedergegeben bzw. interpretiert wird. Insbesondere hinsichtlich subjektiver Einschätzungen des Objekts hinsichtlich Größe, Geschwindigkeit etc. Ebenso ist die Einschätzung der Sichtungswelle in der Szene von Interesse, insbesondere abweichende Interpretationen und deren Begründung. Auch die Entwicklung der Medienberichterstattung ist in dem Zusammenhang von Interesse.

Hesemann: Das Akronym „UFO“ steht zunächst einmal für „unidentifiziertes Flugobjekt“ und damit für alles, was sich der Beobachter auf Anhieb nicht erklären kann. Daher unterscheiden seriöse UFO-Forscher zwischen UFOs i.w.S. (im weiteren Sinne), also allem, was irgendwann, irgendwo, von irgendwem mal als „ungewöhnlich“ gemeldet wurde, und UFOs i.e.S. (im engeren Sinne), also dem eigentlichen UFO-Phänomen. Die jüngsten Fälle, in denen „Himmelslaternen“ gemeldet wurden, sind irrelevant für jeden seriösen Forscher, der sich für das eigentliche UFO-Phänomen, also UFOs i.e.S. interessiert!

Interessante Antworten, die alle ein wenig über die Vorgehensweise und Schwerpunkte der Interviewten preisgeben. Ich persönlich muss sagen, dass es absolute nicht zutrifft, dass wir aus dem Flap (UFO-Welle) keine Erkenntnisse ziehen können. Gibt es überhaupt in der Forschung eine Extrem-Situation (und um eine solche scheint es sich ja zu handeln, wenn man sich die Zahlen von CENAP und GEP ansieht: extrem viele „Himmelslaternen“), aus der man keine Erkenntnis ziehen kann? Das scheint mehr eine Interessensfrage zu sein. Wenn sich der Forscher eben nicht für IFOs (in diesem Fall die als „Himmelslaternen“ bezeichneten MHB) interessieren, sondern ausschließlich UFOs i.e.S., dann werden auch keine Daten dazu gesammelt oder auch nur darüber nachgedacht, welche Erkenntnisse irgend jemand daraus ziehen könnte. Zwar ist es legitim, sich sein Steckenpferd zu suchen (wer tut das eigentlich nicht?), eine Erkenntnis zum gesamten Phänomen wird man aber nur dann erhalten, wenn man gemeinsam alle Steckenpferde in einen Stall sperrt.

Wie dem auch sei, aus den Antworten von DEGUFO und MUFON-CES (Hesemann und GfA lasse ich mal außen vor) wird deutlich, weshalb von ihrer Seite kaum etwas bis gar nichts von der „Himmelslaternen“-Manie zu hören ist. Es ist für sie schlichtweg nicht von Interesse. Das deckt sich mit früheren Aussagen, aus denen hervorgeht, dass sich sich vorzugsweise mit UFOs i.e.S. befassen. Ich will das nicht weiter werten, verweise aber nochmal auf den Zusammenhang zwischen Erkenntnis und Steckenpferden.

 

08.09.2008, 19:44
Update:

Wie Peter Hattwig (DEGUFO) heute mitteilte, gingen insgesamt 8 Meldungen ein, die nichts mit MHBs zu tun hätten. Die Sichtungen, die auf “Himmelslaternen” zurückzuführen waren, wurden nicht vermerkt.

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