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Szenenbewegung

Es bewegt sich was in Deutschland. Sowohl in der Politik als auch am Himmel. Die UFO-Welle vom letzten Jahr hält an, wenn auch die zumeist (von GEP und CENAP) angebotenen Erklärungen in den meisten Fällen wenig spektakulär (wenn meistens auch berechtigt) sind. Andere Organisationen oder Forscher haben andere Meinungen zur UFO-Welle. Und während sich die MHBs lautlos über den Himmel bewegen, bewegt sich auch etwas innerhalb der deutschen UFO-Szene. Das Ungewöhnliche ist der Umstand, dass man sich aufeinander zubewegt. Ganz ohne Kriegsbemalung. „Auf Kuschelkurs“, würde man in der Politik sagen. Derartige Bewegungen sind zwar nicht selten, meistens kommen sie aber nur aus einer Richtung um dann wieder ohne Erfolg abzuebben. Diesmal scheint es anders. Und der Verdacht liegt äußerst nahe, dass dies alles auch mit dem Generationswechsel zu tun hat.

Da stehen Aktive und Führungsmitglieder der drei größten UFO-Vereinigungen DEGUFO, GEP und MUFON-CES einträchtig nebeneinander. Seit einiger Zeit sind die Veränderungen hier nicht mehr zu übersehen. Neue Personen haben die Küche nicht nur betreten (das passiert ja eigentlich auch ständig), sondern würzen die köchelnde Suppe kräftig nach, statt ihre eigene aufzusetzen. Gut so. Schließlich hat man sich immer aufgeregt, wenn jemand eine neue Suppe auf den Herd stellen wollte. „Man muss nicht immer das Rad neu erfinden“, hieß es. Statt dessen nimmt „the next generation“ selbstbewusst das (Steuer-)Rad gleich selber in die Hand.

So geschehen im Jahre 2000 in der GEP: Mit dem Ausstieg von Gerald Mosbleck (2. Vorsitzender) und seinem Rückzug aus der Szene wurde der Wechsel sozusagen eingeleitet. Ersatz musste her. Aus erster Hand weiß ich, dass mit Absicht eine jüngere Generation nachrücken sollte um den alt gediegenen Recken der ersten Stunde frischen Wind um die Nase zu blasen. Ein mutiger Schritt, zu dem sich die GEP-Spitze damals entschieden hat (noch heute mutmaßen einige, dass dem 1. Vorsitzenden damit das Steuer ganz aus der Hand genommen wurde, was aber Quatsch ist. Er teilt es sich ganz [selbst]bewusst.) Wie genau das bei MUFON-CES und DEGUFO jetzt ist, weiß ich nicht. Die DEGUFO hat ja einen neuen Vorsitzenden (Alexander Knörr) und bei MUFON-CES hört man nichts mehr vom eigentlichen Vorsitzenden Von Ludwiger. Dafür aber von anderen Mitgliedern, die sehr gerne mit dem Rest der UFO-Szene kooperieren möchten (ganz krasser Gegensatz zu den 90er Jahren als man dort eher eine rigorose Abschottungspolitik gegenüber anderen UFO-Forschern übte).

Wie dem auch sei, derzeit ist die Szene also in Bewegung, was sehr erfreulich ist, und was auch an verschiedenen Stellen (vor allem natürlich im mitteilungsfreudigen Internet) wohlwollend aufgenommen wurde. Klar, wer möchte auch ständig was von alten Streitigkeiten wissen? Wen interessieren die ollen Kamellen aus der Steinzeit? Was soll dieses Gegeneinander seit über 30 Jahren. Kein Wunder, dass gerade die jüngere Generation den alten Zwist begraben möchte, wo sie doch so rein gar nichts mit den persönlichen Anfeindungen, die die Szene entzweiten, anzufangen weiß. Dann lieber den Blick in eine Zukunft, die man sich auch gerne schön ausmalen darf. Besser als den Tatendrang schon an der Mauer aus Unkenrufen scheitern zu lassen.

Und schon bei CENAP stoppt die Euphorie etwas. Der Meldestellen-Blog Roland Gehardts stimmt zwar den grundsätzlichen Überlegungen (gruppenübergreifender Fragebogen, wissenschaftliche Standards etc.) zu, vermutet aber ein Scheitern in der Praxis:

Sollte es also zu solchen unterschiedlichen Auffassungen über einzelne Fälle kommen wird es mit der nun viel beschworenen engeren Zusammenarbeit schnell vorbei sein. Allerdings, und diese Gefahr ist gegeben, kann es natürlich sein, dass man sich an solchen Diskussionen heraushält. Dies hat z.B. ein ehemaliges Führungsmitglied einer dieser 3 involvierten Gruppen offen gesagt. „Aus Fallbewertungen halte ich mich heraus“ Der Grund ist ebenso einfach wie falsch. Nur dadurch kann man erreichen, dass es ein harmonisches „Miteinander“ geben kann. Allerdings bedeutet eine solche Einstellung auch, dass man jegliche Art von UFO-Forschung einstellen kann.

Quelle: http://ufo-meldestelle.blog.de/2008/04/16/sind-sie-das-wirklich-4051369

Nun sollte man sich zwar trotz aller Freude einen kritischen Blick aus der Distanz bewahren, aber ich frage mich, ob man die große Pleite schon im Vorfeld heraufbeschwören muss, nur um am Ende mit dem erhobenen Zeigefinger zu wedeln und „Ich hab’s ja gleich gesagt“ sagen zu können. Wie gesagt, es gibt derzeit eine Art Umdenken und der „next generation“ kann man da durchaus Chancen einräumen, bei dem Versuch die alten Bremsen zu lösen. Die interessieren nämlich niemanden mehr. Ich verfolge die Szenenbewegung jedenfalls mit Spannung.

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