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DEGUFO-Frühjahrstagung 2011: Eindrücke eines Dabeigewesenen (Sonntag)

Sonntag. Etwas zerknittert sitze ich mit den Kollegen am Frühstückstisch. Ich fürchte man sieht mir an, dass die letzte Nacht spät geworden ist. Um kurz vor 3 lag ich im Bett meines Hotelzimmers. Der Fernseher lief noch etwas, ich glaube, es lief die Wiederholung von etwas, das DSDS gewesen sein könnte. Eine kurze Erwähnung dessen heute Morgen beim Frühstück bringt mir die Bitte ein, darüber nicht zu bloggen, und einige herzhafte Lacher am Tisch. Mehr möchte ich darüber jetzt auch nicht schreiben.

Der erste Vortrag des Tages wird gehalten von Alexander Knörr, dem ersten Vorsitzenden der DEGUFO. Obwohl er einen Verein zum UFO-Thema leitet, liegt sein Interessengebiet eher auf dem Schwerpunkt der Paläo-SETI und der Archäologie im Zusammenhang mit untergegangenen Hochkulturen. [1] Hierzu hat er ein Buch mit dem Titel „Hagar Qim“ geschrieben, auf welchem der heutige Vortrag “Auf den Spuren einer versunkenen Zivilisation auf Sizilien und am Mittelmeer” basiert. Es geht um untergegangene Hochkulturen, ortsmäßiger Schwerpunkt: Malta. Alexander war vor Ort und zeigt uns nun bildreich, die (nicht nur) für ihn vorhandenen Indizien, welche auf die frühere Existenz einer untergegangenen Zivilisation hinweisen. Für mich persönlich ist der Vortrag weniger von Interesse. Inhaltlich kann ich ihn nicht beurteilen, da ich in PA-Themen nur mäßig bewandert bin. Muss ich, glaube ich, aber auch gar nicht. Das Thema und die Methodik der Indizienbewertung ist umstritten und so verwundert es nicht, dass im Anschluss kritische Fragen aufkommen.

Da Jens Waldecks Vortrag wegfällt, der wiederum als Ersatz für Reiner Feistle vorgesehen war, springt Alexander Knörr ein und möchte über „Unmögliche Funde in der Archäologie“ sprechen. Schon wieder Paläo-SETI. Nichts für ungut, Alex, wir (die üblichen Verdächtigen) nutzen das Thema für Gespräche über UFOs im Foyer. Wie gesagt, es ist auch immer eine Interessensfrage.

Robert Fleischer versucht unterdessen für sein Exomagazin einige Kommentare zur Tagung heranzubekommen. Ich möchte lieber nicht. Nach einigen frühen Medienerfahrungen weiß ich, das ist nichts für mich. Ich mache da keine gute Figur bei. Andere sehen besser aus als ich (wenn auch nicht jeder, der seinen Rüssel in die Kamera hält).

Zum Vortrag von Marius Kettmann sind wir wieder zurück. Marius erinnert an die 2008 geführten Erfurter Gespräche, die erstmals die UFO-Gruppen DEGUFO, GEP und MUFON-CES durch die „Next Generation“ näher zusammenrücken ließen. Barrieren und Vorurteile wurden damals abgebaut, wenn auch unter kritischer Beäugung und teilweise unfairer Kommentierung der „Archaic Generation“. Kettmann zieht Bilanz, auch dahingehend, dass von 2008 bis heute der Umgang noch kollegialer, ja bei einigen freundschaftlich geworden ist. Aber Kettmann möchte mehr, ganz konkrete Vorschläge hat er erarbeitet und erläutert uns diese in gekonnt lockerer Art, so dass das Zuhören eine Freude ist. Und auch der Inhalt trifft den Nerv der Zuhörer. Mit feinsinnigem Humor gelingt es Marius auch immer wieder der UFO-Szene den Spiegel vorzuhalten. Kettmann präsentiert unter dem Titel “Neue Impulse für die UFO Forschung” zehn Punkte, die er für erweiter- und diskutierbar hält, die für ihn in der UFO-Forschung wichtig wären. Die 10 Punkte sind:

  • Gemeinsamer Fragebogen
  • Gemeinsame Datenbank
  • Einheitliche Klassifikationen
  • Untersuchungsnetzwerk gruppenübergreifend
  • Einheitliche / gemeinsame Untersucher-Workshops
  • Einheitliche / gemeinsame Tagungen
  • Einheitliche / gemeinsame Diskussion von Fällen
  • Sachlichkeit der UFO-Forschung
  • Neutralere Begriffe
  • Abgrenzung von „fremden“ Themen

Nicht alle Punkte sind brandneue Ideen, aber sie gehören unweigerlich dazu, wenn man über UFO-Forschung spricht. Einige Projekte, etwa die Datenbanken und der Fragebogen, sind aktuell am laufen. Andere Ideen sind aufgrund des Personalmangels schwer umzusetzen. Dies ist jedoch ein Grund mehr, dass die UFO-Gruppen sich endlich zusammenraufen. Ein Ermittlernetzwerk, geschult auf einheitlichen Workshops, verteilt über ganz Deutschland, ist eine großartige Idee. Dies wird nicht von heute auf morgen umzusetzen sein, aber erstrebenswert (zumal die Grundvorausetzungen vereinheitlicht werden sollen) ist es allemal.

Der Redner packt in seinem Vortrag auch unbequeme Themen an. Führt für jede UFO-Gruppe (auch die eigene) vergangene oder aktuelle Fehler an und betont dadurch, dass man bei jeder Gruppe Kritisierenswertes finden könne. Er lehnt es dabei jedoch ab, ständig mit dem Finger auf den anderen zu zeigen. Ganz klasse, er scheut auch nicht das Thema Reiner Feistle und kritisiert die DEGUFO, diesen eingeladen zu haben. Wie schon erwähnt, kann von einer Tagung des Schulterklopfens nicht die Rede sein. Aber der Ton macht die Musik und hier erweist sich Kettmann als sehr musikalisch.

Der Vorschlag, statt des vorbelasteten Begriffes UFO einen neutraleren Begriff zu verwenden, ganz konkret: UAP (Unidentified Aerial Phenomenon), stößt nur bedingt auf Zustimmung. Ja, der Begriff UFO ist vorbelastet und würde sicher von vielen gern ganz vermieden werden, aber – so ein Einwand aus dem Publikum – es würde die Kommunikation mit den Meldern erschweren. Man wird kaum ohne UFO auskommen. Relativ viel Zustimmung erhält der Vorschlag, sich in Publikationen von ufo-fremden Themen abzugrenzen. Als Beispiel wird hier das Thema „Yeti“ herangezogen, das in einer reinen UFO-Zeitschrift nichts verloren hat und dennoch drin vorkommt (sei es, weil Veröffentlichungsmaterial sowieso immer knapp ist oder das Thema den verantwortlichen Redakteur halt auch noch interessiert). Marius Kettmann plädiert für den vollständigen Verzicht auf diese fremden Themen, wenn diese nicht ein bestimmtes Maß an ufo-relevanz aufweisen, um sich freihalten zu können von teilweise auch sehr unseriösen Themen. Das UFO-Thema selbst hat mit diesem Vorwurf zu kämpfen und tut sich wahrlich keinen Gefallen mit der Verknüpfung der Themen. Selbst Kornkreise sind kritisch, auch wenn sie hin und wieder mit UFOs in Verbindung gebracht werden. Mal sehen, ob das Plädoyer etwas bringt.

Für mich ist Marius Kettmanns Vortrag jedenfalls erhellend, erheiternd und nachdenklich stimmend. In jedem Fall einer der Höhepunkte der Tagung. Wieviel davon in den Köpfen ankommt, wird sich zeigen, aber ich bin guter Dinge, da der Samen bereits gesetzt wurde. Wenn man bezüglich der Ernte nun keine Wunder erwartet, sondern beharrlich die Ziele im Auge behält, kann man auch mit kleinen Schritten schon sehr zufrieden sein.

Für das nächste Thema, quasi ergänzend zum vorangegangenen Vortrag, erläutert Ingbert Jüdt, den aktuellen Stand des »Projekts Fragebogen«: “Vorstellung des gemeinsamen UFO-Sichtungs-Fragebogen der großen UFO-Forschungsgesellschaften in Deutschland”, [2] Ingbert teilt mit, wer beteiligt ist oder war. Einhellig wird bekundet, dass es sehr schade ist, dass MUFON-CES nicht mit dabei sein möchte. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Das Projekt ist sehr weit fortgeschritten und es soll nicht entmutigen, wenn es hin und wieder ins Straucheln gerät. In Kürze werden die Kollegen vom Freiburger IGPP mit Gesandten des Projekts noch einige Details erörtern und dann wird es wohl bald in die letzte Runde gehen können. Damit würde ein schon seit vielen Jahren angestrebtes Gemeinschaftsprojekt endlich zum Abschluss kommen.

Ebenfalls ergänzend ist der nächste Vortrag von Natale Guido Cincinnati zu sehen. Die Ufo-Fallermittlungen der DEGUFO sind sein Thema und er schöpft hieraus durchaus aus seinen Erfahrungen, die er bereits bei der GEP gemacht hat. In seinem Vortrag geht es jedoch zunächst einmal um die Organisation und Aufstellung der DEGUFO. In den letzten Jahren sei die Fallermittlung hier immer mehr und mehr zerfasert, so dass eine Neustrukturierung dringend angesagt ist. Eine Bestandsaufnahme möglicher Fallermittler in der DEGUFO erbrachte eine Zahl von 10 Interessenten, was nicht wenig ist, auch wenn etliche Doppelmitglieder (GEP und MUFON-CES) darunter sind. Um hier noch einmal einen Bogen zu schlagen zu Marius Kettmanns Vorschlag eines gruppenübergreifenden Ermittlernetzwerkes, es stünden demnach schon einige Ermittler zur Verfügung. Hier spielt dann natürlich das gegenseitige Vertrauen und die entsprechende Ausbildung der Ermittler (Workshops) eine nicht unwesentliche Rolle. Wie es aussieht, wird also das Ermittlungspotenzial der DEGUFO neu ausgelotet und aufgestellt, und auch die Berichterstattung über die Ermittlungsergebnisse soll intensiviert werden. Das klingt vielversprechend und ist bei unserem Kollegen Cincinnati in den besten Händen. Ebenso wie übrigens der nun folgende Workshop, den wir Nordstaatler aus Zeitgründen leider nicht mehr mitnehmen können. Wir haben noch eine ca. 5-stündige Heimreise vor uns (und morgen einen Arbeitstag), so dass wir nun aufbrechen.

Resümierend möchte ich nun den positiven Eindrücken vieler Kollegen zustimmen. Eine gute Tagung mit vielen guten Programmpunkten. Wiedereinmal wäre weniger zwar mehr gewesen (gerade was die „fremdem Themen“ aus dem Paläo-SETI-Bereich betrifft) und der Workshop hätte zeitlich anders platziert werden müssen, aber das sind Kleinigkeiten. Vielen Dank für zahlreiche interessante Gespräche, die erfrischende Portion Humor und die Erkenntnisse, die ich wieder gewonnen habe.

PS: Wer noch was zu ergänzen oder gar ganz andere Eindrücke gewonnen hat, kann diesen Beitrag gerne kommentieren. Danke.

  1. Dass jemand, der seinen Hauptinteressenpunkt nicht auf der UFO-Forschung hat (was nicht bedeutet, dass gar kein Interesse vorliegt), einem UFO-Forschungsverein vorsitzt, hat in der Vergangenheit schon für Kritik gesorgt. Ich persönlich sehe das gelassen. Man darf nicht vergessen, dass es sich hier lediglich um ein Amt handelt (wenn auch ein sehr wichtiges) und letztlich die Aktivisten des Vereins für die Forschung wichtiger sind als ein bürokratisches Amt. []
  2. Die Begrifflichkeit der „großen UFO-Gruppen“ Deutschlands gestaltet sich etwas schwierig. Meist sind hierbei DEGUFO, GEP und MUFON-CES gemeint. CENAP bleibt dann außen vor, weil es sich hierbei nicht um einen e.V. handelt bzw. die Zahl der CENAP-Angehörigen ausgesprochen gering ist. Beim Projekt Fragebogen hingegen ist CENAP mit an Bord und MUFON-CES fehlt. Das verwirrt nur unnötig. Ich plädiere dafür, diese Bezeichnung nicht zur Aus- oder Eingrenzung von UFO-Gruppen zu verwenden. Für mich gibt es 4 große Gruppen in Deutschland, die sich mit UFO-Forschung befassen. Punkt. []

Ein Kommentar

  1. Hallo [T.A.],
    du hast sehr ausführlich den Tag beschrieben. Ich bin immer wieder verwundert, wie ihr euch das alles merken könnt… ja, ich weiß… ihr schummelt und schreibt heimlich ein paar Sachen auf, aber trotzdem.
    Ich war ja damals selbst auf der Tagung anwesend. Aber nochmal ein solches Resümée zu lesen, ist für die Synapsen ein gutes Training.

    Ein Punkt, der mir als PS-kritisch-Interessierten jedoch weniger gefallen würde wäre, wenn ihr die PS-Vorträge wirklich vollkommen aussieben würdet. Ich verstehe zwar die Intention dahinter, aber ich möchte zu bedenken geben (ist ja nur ein Gedanke) das eben auch Leute zu solchen Treffen/Tagungen kommen, um hauptsächlich die Kontakte mit Freunden/Bekannten zu pflegen, und eben aus der PS-Ecke stammen. Wenigstens ein Vortrag. Versteh mich mal, ich brauche diese Portion „Aufreger“ einfach. Ohhh, ich hab sogar noch ein sachliches Argument dazu auf Lager, was ich den Lesern deines Blogs nicht vorenthalten möchte: Man sieht nämlich recht schön, das die saubere Methodik, die ich bei derUFO-Thematik erleben konnte, im Bereich PS von einigen (Wenigen) vollkommen ausgeblendet wird. Aus sozio-analytischer Sicht ist dies höchst interessant, und wäre gar als UFO-thematischer Beitrag zu verwenden: „Der UFO-Forscher außerhalb seines Themengebietes – Eine kontroverse psychologische Analyse“.
    Nich…? Okay.
    Haste eigentlich auch ein paar Bilder geschossen, die du noch bloggen könntest?

    Gruß René
    PS: Deine Kommentarfunktion will, das ich einen ominösen Code eingebe. Ich mach das natürlich – lehne aber jegliche Verantwortung ab, wenn ich dir dadurch den Quellcode zerschieße.

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