Brieselang – Teil 2: Die Jagd geht weiter

T.A. Günter. Fortsetzung des Artikels “Wie erschreckend sind Autoscheinwerfer? Die Jagd nach dem Licht im Brieselanger Wald”, CENAP Report Nr. 257 (2/99): Es ist nicht so, dass niemand hinter das Geheimnis des Waldes von Brieselang kommen kann. Vielmehr halten sich jene, denen die wahre Natur des Spuks von Anfang an klar war, nur ganz diskret zurück und kümmern sich nicht weiter darum. Der Rest will die Lösung einfach nicht wahrhaben.

Ein kurzer Rückblick: Im Wald des brandenburgischen Ortes Brieselang berichten erschreckte Leute seit Jahren von einem unheimlichen Licht. Niemand kann sich einen Reim darauf machen und eigentlich will das auch gar keiner. Nachts treffen vor allem Jugendliche auf ein Licht, ein kurzes Aufblitzen in verschiedenen Farbgebungen. Die verschiedenen Geschichten um ein ermordetes Mädchen oder geheime Experimente schüren das Feuer des Mysteriösen und so lebt die Legende ewig weiter. Ein Presseaufruf nach Zeugen, tat mir letztendlich noch weitere Berichte auf und so konnte ich gezielt den einzelnen Hinweisen aus der Bevölkerung von Brieselang bis nach Berlin nachgehen.

Während mir einige der Anrufer ganz klar zu verstehen gaben, dass es nur Autoscheinwerfer dort im Wald gäbe, waren andere von der paranormalen oder gar außerirdischen Herkunft des Lichtes überzeugt. Es trudelten dann auch einige ausgefüllte Fragebögen bei mir ein, keine Aussage jedoch dabei, die nicht auch eine rationale Interpretation des Berichteten zuließen. Schließlich meldete sich sogar die Hauptzeugin von Jürgen Krumnow (Autor des Artikels “Das rätselhafte Licht im Brieselanger Wald”, JUFOF Nr. 112) Doris W. bei mir, was zu einem späteren Treffen und einem Trip in den “Spuk”-Wald führte. Zusammen mit meinem Falkenseer Kollegen Gewecke konnten wir vor Ort feststellen, dass Doris W. die Lichter der Straße für Spuklichter hielt und somit keineswegs als glaubwürdige Quelle einzustufen war. Sie hatte sich ganz einfach geirrt.

Dies ist eine ganz entscheidene Feststellung, da sich fast sämtliche Besucher des Waldes täuschen ließen. Erstaunlicherweise gehen die meisten der von mir begutachteten Sichtungen nicht auf die Scheinwerfer, sondern auf Taschenlampen zurück. Diese weisen eben nicht die Eigenschaften der schnell vorbeihuschenden Autolichter auf (“Es können keine Autoscheinwerfer gewesen sein, weil …”) und befinden sich vor allem am Wochenende wegen der Jugendlichen und Abenteuerhungrigen zu Hauf in diesem Wald. Der “Leuchter”, wie die Erscheinung von den Einheimischen liebevoll genannt wird, lockt immer wieder Menschen aus allen Teilen Brandenburgs und weit darüber hinaus an. So dass es geradezu unwahrscheinlich ist, dort keinem Licht zu begegnen.

Der ortsansässige Fahrradverein führt übrigens jedes Jahr an Christi Himmelfahrt eine Tour mit interessierten Jugendlichen durch. Dabei wurde zumindest für einige Teilnehmer die Lösung (jedenfalls die der Scheinwerfer) offensichtlich. Aber selbst Jürgen Krumnow berichtete in der Märkischen Allgemeinen für das Havelland, dass “an einer Entschlüsselung niemand ernsthaft interessiert” ist:

“Doch auch in der Runde der Radfahrer des Vereins, die grüppchenweise auch verschiedene andere Wege in Augenschein genommen hatten, gab es nur wenige, die das Wunder entblößt zu haben glaubten. Aber angesichts der Stimmung ihrer Vereinskameraden schienen sie es nicht zu wagen, laut und eiskalt in die Nacht sagten, “das ist das Licht von Autos, du hast doch auch die Geräusche gehört”.

Das war am Rande der Gruppe eher ein kleiner Disput zwischen zwei Männern. Aber eben nicht laut genug, um einen Meinungsstreit zu entfachen. Zwar machten hier auf der Kreuzung unter wolkenverhangenem Himmel und geschwärztem Wald keine der geisterhaften Geschichten die Runde, wie sie die jungen Leute erzählt hatten. Doch während diese noch immer mit ungebrochenem Tatendrang und der Schar der Älteren im Rücken mutig weiter in den Wald eindrangen und auf irgendwelche Lichtpunkte zusteuerten, war die reifere Generation mit der Erörterung naturwissenschaftlicher Phänomene befasst.Auch Ufos und Außerirdische kamen kurzzeitig ins Gespräch und andere Dinge wie das Weltall, das so unendlich viele Geheimnisse bereithält. Warum also soll es auf der Erde nicht auch noch viele Geheimnisse geben?

Der Mensch braucht auch Geheimnisvolles

Thomas L. und Michael S. vom Brieselanger Radfahrerverein wollten sich auch nicht auf die von der MAZ recherchierten Erkenntnisse festlegen lassen. Sie hatten auch schon davon gehört, dass selbst Ufo-Forscher und Experten anderer Disziplinen keine Erklärung gefunden hätten. “Und das waren ja auch keine Dummen”, sagten sie ohne ironischen Unterton gegenüber der Zeitung. Aber sie gestanden etwas Anderes ein, das womöglich auch eine Lösung sein könnte: In unserem so fürchterlich rationell eingerichteten Alltag brauchen die Menschen solche wundersamen Dinge und wünschen vielleicht gar nicht, dass sie entschlüsselt werden. Fazit dieser Nacht: Das rätselhafte Licht im Brieselanger Wald hat alle Chancen, auch für kommende Generationen eine geheimnisvolle Sache zu bleiben.”

(Jürgen Krumnow, MAZ Havelländer vom 15./16. Mai 1999)

Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

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Das unheimliche Licht vom Brieselanger Wald