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GEP-Tagung ein voller Erfolg

Aktive der GEP
J.Richter, N.G.Cincinnati, D.Ammon und T.A.Günter (v.l.)

Entschuldigung für diesen Titel, der in ähnlicher Variation so ziemlich jedem Tagungsbericht voransteht. Ich konnte dem Klischee nicht wiederstehen. Seit gestern abend bin ich aus Schmerlenbach wieder zurück. Die Eindrücke der Tagung sind noch nicht verdaut, da muss noch einiges sacken. Und die lange Fahrt war auch nicht ohne. Schlimm, dass ich gestern noch – müde, wie ich war – „News vom Schlachtfeld“ lesen musste. Was da im Internet alles geschrieben und an Zeichen gesetzt wurde, der Wahnsinn! „Menschen, Tiere, Emotionen!“, auf einen detailliert darauf eingehenden Kommentar werde ich hier verzichten.

Statt dessen, ein paar Worte zur Tagung. Der Titel meines Blog-Beitrags passt schon, Klischee hin oder her. Es war bezüglich des Diskurses und der Diskussionen für mich die wohl bisher interessanteste Tagung. Und inhaltlich auf einem ausgesprochen hohen Niveau. Es fanden sich nicht ganz dreißig Gäste ein, was etwa im Rahmen der früheren Cröffelbach-Veranstaltungen liegt. Dass nicht mehr Gäste dort waren, mag unterschiedliche Gründe haben. Vielleicht, weil der Tagungsort wieder mal recht abseits lag. Zudem waren die Vorträge nicht dem ufologischen Mainstream-Interesse angepasst und gerade der sozialwissenschaftliche Blickwinkel, der sehr stark repräsentiert war, interessiert nur einen geringen Teil der UFO-Szene. Zufrieden sind wir aber dennoch, denn auf Inhalte und Diskussion kommt es an.

Die ersten drei Vorträge waren aus sozialwissenschaftlicher Perspektive und durchweg ausgesprochen interessant (mal wieder möchte ich inhaltlich einem jufof-Bericht nicht vorweggreifen). Interessant bei den drei soziologischen Vorträgen (Wunder, Jüdt, Mayer/Schmied-Knittel) war auch die jeweils im Anschluss stattfindene Fragerunde, bei der auf sachlicher Ebene durchaus Kritik geübt wurde (es geht also; die Wissenschaftsvertreter haben’s vorgemacht). Da mehrere Soziologen zugegen waren, ging es hierbei ins Detail und es wurde fachlich kritisiert, ohne dass jemand sich daran gestört hätte.
Dann etwas Physik zur Abwechslung: Die Erweiterte Heimsche Theorie (EHT) wurde uns von Martin Bielski näher gebracht. Interessant, aber für mich leider kaum zu beurteilen. Lediglich die Überlegung, ob eine unbewiesene Theorie (hierauf hat der Referent auch mehrmals hingewiesen) tatsächlich als Ansatz für die UFO-Forschung dienen sollte, stelle ich in den Raum. Und im Zuge der von Mayer/Schmied-Knittel angesprochenen Stigmatisierung des UFO-Themas meine ich, dass es kaum förderlich sein kann, die Theorie in den UFO-Kontext zu bringen. Heim selbst hat sich von den UFO-Bezügen distanziert (jufof 126 – 6/1999) und lt. den Informationen eines Hamburger GEP-Kollegen hätten auch Dröscher/Häuser in der ETH keine so weit reichenden Aussagen getätigt. Das aber nur am Rande.

Die anschließende Podiumsdiskussion mit den Referenten wurde von Dr. Michael Schetsche sehr souverän moderiert. Es folgte eine Diskussion zu verschiedenen (vorher festgelegten) Themen (z.B. zur These der Sicherung der anthropozentrischen Souveränitat, der Rolle des Wissenschaftssystems bei der UFO-Forschung und der Laienforschung). Die Zuhörer wurden mit einbezogen und konnten ihre Ansichten äußern, was mit Meinungsvielfalt und interessanten Äußerungen belohnt wurde. Es ist durchaus so, dass eine von allen als Autorität anerkannte Person (in diesem Fall Dr. Schetsche) als Moderator sinnvoll für eine sachliche Diskussion ist. Ich plädiere eindeutig dafür, solche Diskussionen öfters zu führen.

Podiumsdiskussion:
Podiumsdiskussion nach den Referaten: Martin Bielski, Ingbert Jüdt, Ina Schmied-Knittel, Gerhard Mayer und Moderator Michael Schetsche (v.l.); es fehlt Edgar Wunder.

Nach dem Abendessen: Das vorgezogene GfA-Meeting mündete abschließend in Gespräche bis in die Nacht. Hier konnten einige GEP-Mitglieder bereits Robert Fleischer (Koordinator der umstrittenen Exopolitik-Initiative in Deutschland) ein paar Fragen stellen, die uns auf den Nägeln brannten. Einiges konnte beantwortet werden, anderes nicht. Die bereits bekannten (und im jufof formulierten) Unterschiede zwischen der GEP und Exopolitik wurden hier noch einmal deutlich hervorgehoben. Vor diesem Hintergrund ist es völlig schwachsinnig, vor einer Zusammenarbeit zu warnen, die es überhaupt nicht geben kann. Das ist Fleischer ebenso klar, wie uns. Kein Problem also. Es gab aber auf jeden Fall interessante Einblicke, deretwegen allein die Anwesenheit sich schon gelohnt hat.

Die UFO-Forscher-Session am Sonntag

Vorab: Ja, die Bezeichnung „UFO-Forscher-Session“ ist in Anbetracht einer bestimmten Gastgruppe, die nicht forscht, unglücklich gewählt. Oder die Auswahl der nicht forschenden Gastgruppe ist unglücklich für den Namen. Das wird man eh drehen, wie man möchte. Die Kritik ist durchaus berechtigt und wurde auch mehrfach angebracht (leider fast ausschließlich im Kontext unsachlicher Äußerungen, was es schwer macht, die Kritik ernst zu nehmen). Allerdings ist dieses „Unglück“ mehr aus einem Missverständnis bzw. einer Unaufmerksamkeit entstanden. Dies hätte sich auch schnell klären lassen können, wenn man fair und im richtigen Ton mal nachgefragt hätte. Alles halb so wild eigentlich, aber nennen wir diesen Programmpunkt lieber „UFO-Szene-Session“, wenn das besser ist (ich weiß, überflüssig im Nachhinein, aber vielleicht ist dann Ruhe!).

Dass CENAP diesen Tagungs-Teil boykottiert hat und der Vertreter nicht erschienen ist, wurde ja schon im Internet verbreitet und aufgeblasen. Albern, wie ich finde, aber wer nicht will… Auch Marius Kettmann konnte als MUFON-CES-Vertreter leider nicht dabei sein, hatte aber weitaus verständlichere Gründe. Für ihn sprang spontan Martin Bielski ein, der seine Sache ausgesprochen gut gemacht hat. DEGUFO, GEP und GfA sind soweit bekannt;  erwähnenswert wäre, dass alle Parteien den kritischen Diskurs miteinander ausdrücklich unterstützen. GfA und GEP hoben hierbei hervor, dass es lediglich eine punktuelle Zusammenarbeit mit den anderen Gruppen (Exopolitik ausgeschlossen, siehe oben) geben könne (d.h. zu konkreten Projekten und Fragestellungen).

Anschließende Diskussionsrunde mit den Gruppenvertretern, moderiert von Dr. Edgar Wunder: Explizit ins Fragefeuer geriet hier Robert Fleischer von Exopolitik. Fragen (die eigentlich seine Kritiker ihm hätten persönlich stellen sollen [1]), deren Beantwortung zu großen Teilen deutlich machte, dass die kritische UFO-Forschung zwar an sich keine Probleme mit der Existenz einer politischen UFO-Initiative hat, aber inhaltlich sehr wohl. Deutliche Worte kamen hierbei aus den Reihen der GEP, in deren Zuge der Exopolitik vorgeworfen wurde, altes Material ohne Substanz heranzuziehen und dabei auf RTL2-Niveau Tränendrüsen-Videos zu nutzen. Trotz solcher (ich betone: sachlich hervorgebrachten) Argumente, blieb die Diskussion auf einem freundlichen Level.

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Diskussion nach den Gruppenvorstellungen: Hans-Werner Peiniger (GEP), Robert Fleischer (Exopolitik), Moderator Edgar Wunder, Jochen Ickinger (GfA), Martin Bielski (MUFON-CES) und Alexander Knörr (DEGUFO)

Man kann also durchaus sagen, dass die exopolitische Idee bei großen Teilen des wissenschaftlich-kritisch ausgerichteten Publikums nicht punkten konnte. Dennoch möchte ich betonen, dass es gerade der kritische Diskurs war, der hier am meisten Einblicke gebracht hat. Exopolitik weiß, dass es keine Berührungspunkte gibt, hat aber auch kein Problem damit. Fleischer forderte zudem mehrfach die forschenden Vereine auf, die exopolitischen Inhalte zu untersuchen und zu kritisieren. Eine Einladung, welche in Einzelfällen angenommen werden wird.

Abschließend blicke ich auf die zurückliegenden Tage und denke, dass die Grundsteine für eine sachlich orientierte UFO-Forschung gelegt bzw. gefestigt wurden. Meine Vorstellung hiervon bezieht sich nicht auf eine „Friede-Freude-Eierkuchen-Forschung“, sondern ganz im Gegenteil auf eine Forschung mit Streitkultur. Die punktuelle Zusammenarbeit wird in diesen Tagen anlaufen. Dazu wurden Projekte angesprochen (neue wie liegen gebliebene) und Standpunkte dargelegt. Dies als Erfolg zu bezeichnen halte ich für gerechtfertigt.

Ich hoffe, dass ich meine Ausführungen später nicht aus dem Kontext gerissen auf irgendwelchen Newstickern lesen muss. Die Betonung, dass die o.g. Erkenntnisse das Ergebniss persönlicher Begegnung und sachlicher Diskussionen sind, ist mir wichtig.

  1. Fairerweise darf man nicht verschweigen, dass ein CENAP-Vetreter vor Ort war, der an der Kritikrunde aktiv teilnahm und sehr sachlich seine Fragen und Forderungen formulierte. Allerdings war niemand von jenen CENAPlern vor Ort, die vor und während der Tagung bereits Stimmung gemacht hatten. Der anwesende CENAPler hatte sich im Vorfeld hingegen nicht öffentlich an den Angriffen beteiligt. []

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