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Über Menschen mit UFO-Sichtungserfahrungen

Die Zeitschrift für Anomalistik (herausgegeben von der Gesellschaft für Anomalistik e.V.) befindet sich nun bereits in ihrem dritten Jahrgang, wie Edgar Wunder im Editorial der aktuellen Ausgabe (Band 3, Nr. 1+2) erklärt.
Gleich zu Beginn des neuen Jahrganges werden wir mit einer Studie über „Menschen mit UFO-Sichtungserfahrungen“ überrascht. Edgar Wunder und Rudolf Henke haben sich die Mühe gemacht, „eine Umfrage unter 447 Besuchern von Volksschulvorträgen zum UFO-Phänomen“ auszuwerten, die in den Jahren 1990/91 auf Vorträgen der Herren Walter, Köhler und Henke gemacht wurden. Als Ziel dieser Studie wird im Artikel die Identifizierung von Prädiktoren (also von Variablen, die zur Vorhersage von Merkmalen herangezogen werden), welche Menschen eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, eine UFO-Sichtungserfahrung zu erleben. Kurz: Wer sieht UFOs?

Aus der Studie geht hervor, dass es hinsichtlich des Geschlechts, Alters und des Bildungsstatus keinerlei bedeutsamen Zusammenhänge gibt. Soweit besteht Einklang mit bereits früher gemachten Äußerungen kritischer UFO-Forscher, dass grundsätzlich jeder unabhängig der genannten Faktoren zum UFO-Sichter werden könne.

Auch ein Zusammenhang zwischen dem astronomischen Wissen der Befragten und UFO-Beobachtungen konnte nicht festgestellt werden. Die Hypothese, dass UFO-Beobachtungen vor allem durch Menschen geschehen, die Objekte am Nachthimmel für UFOs halten, weil sie sich astronomisch nicht auskennen, muss als nicht haltbar gelten, so die Autoren. Erstaunlicherweise wurde auch kein Zusammenhang der Sichtungen und dem Interesse an esoterischen / paranormalen Themengebieten aufgedeckt, so dass die Autoren diese Hypothese als erschüttert betrachten. M.E. bedarf dieser Aspekt jedoch weitern Untersuchungen, bevor man sich hier festlegt.

Allerdings gibt es auch ein markantes Merkmal zwischen Einfach- und Mehrfachsichtern, nämlich dass der Glaube an die außerirdische Herkunft von UFOs bei den Mehrfachsichtern deutlich stärker ausgeprägt ist als bei den Einfachsichtern. Ebenso scheint die Konfession eine nicht zu unterschätzende Rolle zu spielen, was interessante Fragen aufwirft und weitere Studien nach sich ziehen sollte.

Es wird übrigens eingeräumt, dass frühere Ausführungen von Rudolf Henke, der bereits 1995 eine Auswertung der Umfrage in Form von einfacher Auszählung veröffentlich hatte (Demoskopische Untersuchung zum UFO-Glauben. In: Kern, G.; Traynor, L. (Hrsg.): Die esoterische Verführung. Alibri, Aschaffenburg), durch die neuere Studie relativiert bzw. in ein neues Licht gesetzt werden.

Leider bleiben in dieser Studie viele Fragen offen, wie man an mehreren Stllen im Artikel selbst einräumt. So konnte auch nicht die interessante Frage nach einem Zusammenhang zwischen UFO-Meldern und ihrer Prädisposition geklärt werden. Die Autoren sehen jedoch eindeutig Bedarf an weiteren Studien und somit ist in der vorliegenden bereits ein wichtiger Schritt getan.

Und: Fortsetzung folgt. Im nächsten ZfA-Heft ist der Platz bereits für die Kommentare zum Artikel reserviert ebenso wie für einen „Literaturüberblick zum aktuellen Forschungsstand“ von Edgar Wunder mit dem Titel „Was wissen wir über UFO-Sichter?“. Wir sind gespannt…