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Sendereihe über Parawissenschaften II

Die Tonbandaufnahme der am 26. Dezember ´99 über Uni-Radio Berlin ausgestrahlten Sendung „Neues aus dem Elfenbeinturm“ über Parawissenschaften, zu deren Themenbereich Ufologie ich interviewt wurde, liegt nun vor. Ich möchte im Folgenden hier nur auf den Ufologie-Teil eingehen:

So kritisch wie zuerst gedacht, fiel dieser Teil der Sendung dann doch nicht aus. Mein Interview war völlig gekippt worden und statt dessen hatte man sich durchweg Leute von der Pro-Seite vor das Mikro geholt (etwas mehr Ausgeglichenheit wäre hier wohl nicht zu viel verlangt gewesen):

UFO. Wer denkt da nicht gleich an fliegende Untertassen, Außerirdische und geheimnisvolle Kornkreise? Dabei heißt UFO eigentlich nur unbekannte Flugobjekte. Rund um das UFO und seine angeblichen Insassen hat sich eine der populärsten Parawissenschaften entwickelt – die Ufologie. Jan Berndorff hat zwei Ufo-Gläubige getroffen.

Richtig ist, dass bei den meisten Menschen eben solche Bilder von Aliens und Untertassen durch die Gedanken ziehen, wenn sie den Begriff UFO hören. Wünschenswert wäre es nur gewesen, an dieser Stelle die genaue Definition der „unbekannten Flugobjekte“ an den Mann zu bringen. Wofür das Kürzel selbst steht ist vielen bekannt, was es aber tatsächlich bedeutet hingegen nicht. Als Vorwort war dieser Kommentar absolut unzureichend. Doch es kommt noch dicker:

[Einspielung Titelmelodie der Serie „Raumschiff Enterprise“] Raumschiff Enterprise – unterwegs um neue Welten zu erforschen, unbekannte Lebensformen und fremde Zivilisationen – das kennen wir ja nun alle. Und wir wissen, dass derart weite Erkundungsflüge mit unserer heutigen Technik unmöglich sind, doch was wäre, wenn andere schon weiter sind? Wenn also Vertreter fremder Zivilisationen bereits zu uns gelangen könnten?

Für viele Ufologen ist das keine Fiktion, sondern längst Realität: Außerirdische besuchen die Erde und nehmen Kontakt auf und einige Menschen berichten sogar von solchen Begegnungen, nur – kaum einer glaubt ihnen.

Bereits die Einspielung vermischt das UFO-Thema mit der ETH und suggeriert, dass UFOs aus dem Weltraum kommen. Vielmehr hätte man sich vorerst der seriösen UFO-Forschung bzw. UFO-Fall-Untersuchung widmen können, um sich dann einzelne Theorie wie die ETH vorzunehmen.

[O-Ton Maria Struwe] „Wissen Sie, ich weiß, wie dumm und blöd sich das alles anhört und immer … jedes mal, wenn ich das wieder erzähle, aber das ist ja nun mal eine Tatsache. Das ist ja nun so erlebt worden und ich geb eben nur das wieder, was ich erlebe. Obwohl ich mir bewusst bin … also, wenn mir das jemand erzählen würde, ich hätte große Schwierigkeiten, das zu glauben.“ [O-Ton Ende]

Maria Struwe ist eigentlich keine Ufologin. Sie erforscht keine Phänomene wie Kornkreise, auffällige Lichter am Himmel oder andere Zeichen für außerirdischen Besuch. Sie ist eine ganz normale Hausfrau aus Berlin, Mutter von drei Kindern und 44 Jahre alt. Aber sie hat trotzdem allen Grund sich mit Ufologie zu beschäftigen, denn sie ist eine sogenannte „Entführte“. Sie berichtet, von fremden Wesen aufgesucht und verschleppt worden zu sein – und das nicht nur einmal. 1986 fing alles an. Es kam ihr zunächst vor wie ein intensiver Traum als sie des Nachts die Augen aufschlug. Sie sah sich auf einer Art Gynäkologenstuhl liegend von drei merkwürdigen Kraturen umgeben, die an ihr herumoperierten.

[O-Ton Maria Struwe] „Ja und ich habe Panik bekommen und wollte losrennen und schreien, alles Mögliche, aber das war nicht möglich, also ich war wie paralysiert. Und denn … in meiner Panik hörte ich eine Stimme und die sagte dann – ´ne ganz freundliche, männliche Stimme – die sagte dann: es ist alles gut, es ist vorbei. Ja und das war so, als würde ich eine Beruhigungsspritze bekommen als mir das gesagt wurde. Dann hatte ich also auch gar keine Angst mehr und ich nahm mir die Zeit, mir diese Gestalten da genauer anzuschauen …“ [O-Ton Ende]

Wie Reptilien mit schuppiger Haut und echsenähnlichen Köpfen sahen die Gestalten aus, erzählt Maria Struwe weiter. Aber das sei nur eine Sorte der Wesen, die ihr in späteren Jahren immer wieder begegneten. Besucht wurde sie auch von den sogenannten kleinen Grauen, einer Alien-Sorte, die von Entführten oft beschrieben wird. Kleine menschenähnliche Kreaturen mit bleichen Gesichtern, großen schrägen Augen und enganliegenden silbrigen Anzügen.

Inzwischen hörte Maria Struwe Berichte von anderen Menschen, denen Ähnliches wiederfahren war. Auch sie waren von solchen Wesen verschleppt und operiert worden. Für Maria Struwe der Beleg, dass sie das alles doch nicht nur träumt. Immer wieder nehmen die Aliens an ihr Operationen vor, die das Einflanzen oder Entnehmen eines Embryos zum Ziel haben. Die daraus resultierenden Kinder sieht Maria Struwe dann bei späteren Entführungen unter den fremden Wesen aufwachsen.

[O-Ton Maria Struwe] „In dieser Ufowelt hat sich das Wort entwickelt Hybridkinder. Hybriden – also praktisch so Mischlingskinder und davon bekomme ich immer reichlich zu sehen.“ [O-Ton Ende]

Ein großer Kritikpunkt an der Theorie von Besuchen Außerirdischer ist stets die riesige Entfernung, die die Raumschiffe zurücklegen müssten. Maria Struwe hat aber aufgrund ihrer Erlebnisse eine ganz andere Theorie entwickelt, woher die fremden Wesen stammen, nämlich aus der Zukunft.

[O-Ton Maria Struwe] „Aufgrund von Bruchstücken, die immer so haften bleiben, habe ich die starke Vermutung, dass es die Nachfahren der Menschheit sind. Nachfahren sind, die technologisch ganz offensichtlich die Möglichkeit haben in unsere Verg… also in ihre Vergangenheit zurückzukommen. Das ist das, was ich vermute.“ [O-Ton Ende]

Man hätte hier ruhig die esoterische Vorbelastung von Frau Struwe erwähnen können. Zwar gilt sie auch in Kritiker-Kreisen nicht als Schwindlerin oder paranoid, aber dennoch gibt es starke Zweifel, dass die von ihr wiedergegebene Geschichte sich so abgespielt hat. Laut R. Henke handelt es sich bei ihr – wie auch der Mehrzahl der „Entführten“ – nur um sehr vage Wahrnehmungen, vielmehr Gefühle als visuelle Beobachtungen (obwohl sie dies als solche beschreibt), und „übernatürliche“ Interpretationen von eher banalen Vorgängen, die den meisten anderen (nicht ufologisch vorbelasteten) Menschen gar nicht auffallen.

Und die zahlreichen Operationen sind also eine Art Zuchtprogramm um die menschliche Art auch in Zukunft zu erhalten. Diese Theorie teilen nicht viele Ufologen, doch auch einige andere glauben nicht, dass es sich bei den fremden Wesen um Außerirdische im herkömmlichen Sinn handelt. So zum Beispiel Joachim Koch, Chirurg am Wald-Krankenhaus Spandau und Hobby-Ufologe.

[O-Ton Joachim Koch] „Es deutet alles darauf hin, dass Parallelwelten existieren. Parallelwelten muss man sich in sofern vorstellen, wenn wir jetzt einen energetischen Vibrationsgrad 0 hätten und jemand einen etwas höheren energetischen Vibrationsgrad, dann könnten wir den nicht wahrnehmen, obwohl er genauso real existiert wie wir.“ [O-Ton Ende]

Das heißt die fremden Wesen bewegen sich in den gleichen Räumen wie wir, nur gewissermaßen in einer anderen Dimension. Aber Begegnungen kommen dennoch zu stande, denn die Fremden sind uns geistig weit voraus. Sie kennen Schlupflöcher von der einen in die andere Welt. Schlupflöcher, die bei Benutzung grell leuchten und die wir dann oft als UFO interpretieren.

[O-Ton Joachim Koch] „Es deutet sich so an, dass es Berührungspunkte gibt zwischen diesen parallelen Welten wie Poren zwischen Membranen und durch diese Poren hindurch findet Austausch statt. Materieller Austausch, energetischer Austausch.“ [O-Ton Ende]

Auch hier wäre ein kritischer Kommentar durchaus wünschenswert gewesen. Wenn UFOs also in Wahrheit die „Schlupflöcher“ der „Dimensionshopper“ sind, wieso sind dann die meisten UFO-Sichtungen auf herkömmliche Erscheinungen – immerhin über 97 % – zurückzuführen? Eins geht ja nur: IFO oder UFO (für Koch: Poren). Damit steht die Verbindung zwischen UFOs und Parallelwelten in Fragen – ganz gleich ob derartige Welten existieren oder nicht.

[Einspielung Titelmelodie „Raumschiff Enterprise“]
Die Ufologie ist populär wie eh und je. Immer wieder beobachten Menschen unbekannte Flugobjekte …

Aufgrund des bisherigen Verlaufs des Beitrags muss der Hörer davon ausgehen, dass mit „unbekannte Flugobjekte“ Raumschiffe Außerirdischer oder Besucher aus Parallel- und Zukunftswelten gemeint sind. Dabei stimmt die Aussage, dass immer wieder UFOs beobachtet werden, nur dann, wenn man davon ausgeht, dass es sich um eine momentan vom Zeugen nicht zu identifizierende Erscheinung handelt. Dies dürfte der Mehrzahl der Hörer jedoch nicht aufgegangen sein.

… und berichten von Kontakten mit Außerirdischen.

Bloße Berichte über Kontakte mit fremden Wesen sagen aber weder etwas über deren Wahrheitsgehalt aus, noch über die tatsächliche Existenz.

Wenn man mal die UFO-Skeptiker fragt, was sie von diesen Phänomenen halten, dann ist die Antwort meist zwiespältig. Sie beschäftigen sich in der Regel nur mit den UFO-Sichtungen – die lassen sich zu rund 90 Prozent aufklären – doch bei Berichten über Entführungen und Theorien über Parallelwelten winken die Skeptiker ab. Solche Dinge kann man glauben oder auch nicht.

Dass wir uns vorrangig mit den Berichten von etwaigen Sichtungen befassen, hat den besonderen Grund, dass sie a) das Kernstück des UFO-Phänomens ausmachen und b) hier die Spreu vom Weizen getrennt wird, d.h. UFOs von IFOs. Sollte tatsächlich dabei einmal ein Best UFO dazwischen sein, kann man ja anhand dieser Sichtung die gängigen Therorien überprüfen. Auch mit Enführungen befassen sich die Skeptiker, gleichwohl man inzwischen aufgrund der „geisterhaften“ Begleitumstände der Abductions auf die Parapsychologie verweist. Es ist eben der Berichterstatter und Behaupter, der die Beweise erbringen muss. Die Skeptiker überprüfen dann diese.

Nach dem Beitrag wurde noch die Live-Version des Songs „Außerirdische“ (Die Ärzte) eingespielt, was mich persönlich freute, da der Song einfach klasse ist (:-)) Die weiteren Beiträge handelten von Okkultismus, Astrologie, Homöopathie und Wahrsagen. Diese waren im Großen und ganzen kritischer ausgefallen als der Ufologie-Teil.

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